Korruption

Daidoji Hogai war aufgeregt. Nach ihrem letzten gemeinsamen Abenteuer in den Schattenlanden hatte er jetzt die Gelegenheit bekommen, seinem Freund Hiruma Ukyo seine Heimat zu zeigen.

Beide würden bald Yasuki Korin in einer kleinen, aber wichtigen Mission in die Kranichlande begleiten. Korin war Händler und Höfling, der oft zu anderen Klans geschickt wurde, um dort die Wünsche der Krabben zu repräsentieren.

Der Winter war hart gewesen, die Kreaturen der Schattenlande ungewöhnlich aktiv und die Krabben waren auf die Hilfe der anderen Klans angewiesen. Die Kraniche haben die größten Reisfelder und können produzieren, was die Wachen auf der Kaiu Mauer am dringendsten brauchen: Nahrung. Korin sollte mehr Reis für seinen Klan bei den Kranichen einfordern. Er war auch autorisiert, dafür zu zahlen, aber das war eine Option, die die Krabben nur im Notfall in Betracht ziehen wollten.

Hogai hatte sich freiwillig gemeldet und Ukyo überzeugt, ebenfalls mitzukommen. Korin war sehr angetan von der Idee: Ein Kranich, der wusste, wie es um die Mauer und die Krabben stand, konnte seine Arbeit einfacher machen. Und er erhoffte sich insgeheim so eine angenehmere Reise, denn die meisten Krabben, mit denen er reiste, waren keine guten Reisegefährten. Schweigsam, humorlos und nur darauf bedacht, endlich wieder in die Heimat und zur Mauer zurückzukehren. Er war ein Krabbe und wusste, was seine Pflicht war, dennoch genoss er diese Reisen zu anderen Klans.

Korin stand auf seinem Wagen und wartete auf seine Reisegefährten. Es war noch früh am Morgen, die Sonne hatte den Nebel noch nicht ganz vertrieben. Und doch war er nicht der erste, der wach war. Ukyo war schon bei der Karawane gewesen. Hogai kam nach und Korin sah erfreut aus, den Kranich zu sehen. Seine grünen Augen funkelten vor Begeisterung.

“Seid gegrüßt, Daidoji Hogai. Noch ist nicht viel zu sehen, aber wir werden ideales Reisewetter haben. Die Kranichlande sind im Frühling einfach wunderbar anzuschauen, meint ihr nicht?” er lächelte und bot ihm einen Platz auf seinem Wagen an.

Hogai schaute kurz zu Ukyo, der aber nur kurz höhnisch schnaufte und sein Pferd zum Anfang der Karawane zu anderen Krabben bewegte. Er zuckte die Schultern und nahm neben Korin Platz.

Sie machten sich auf den Weg gen Nordosten, in Richtung der Kranichlande. Korin und Hogai unterhielten sich fast den gesamten ersten Tag. Man merkte Korin an, dass er die Gesellschaft eines Kranichs genoß und mit ihm über viele Dinge sprach, die für Krabben sehr untypisch waren. Hogai war fasziniert von den vielfältigen Interessen seines Gesprächspartners.

Am Abend machte die Karawane Rast. Hogai gesellte sich zu Ukyo und Kuni Hideo, einem Hexenjäger. Ukyo empfing ihn mit den Worten: “Na, hast Du genug Gerede für einen Tag?”.

“Ich bin sowohl ein Krieger als auch ein Kranich. Reden kann ich, bis ich tot umfalle”, war seine Antwort.

Alle drei brachen in schallendes Gelächter aus. Sie aßen ihre karge Mahlzeit und der Grund ihrer Reise wurde dadurch fast automatisch zum Thema ihres Gesprächs.

“Rokugan sollte den Krabben mehr Respekt zollen! Während sie tagein, tagaus Zeit für Philosophie, Malerei und Dichtkunst haben, zahlen wir jeden Tag einen Blutpreis, um das smaragdgrüne Königreich sicher zu machen.

Und der Dank? Wir müssen für simples Essen betteln gehen bei Klans, die reicher sind, weil sie keine Gefahr fürchten müssen!” Hideo spie diese Worte förmlich aus. In dem Augenblick ähnelte er einer Schlange, die ihr Gift in Form von Worten verspritzte.

Es war kurz still, niemand wusste so recht, was man antworten sollte. Hogai räusperte sich kurz und sagte: “Ich bin doch ein gutes Beispiel dafür, dass die Kraniche die Krabben sehr wohl respektieren. Ich bin zu Euch gekommen, um mehr von Euch zu lernen, meine Meister haben das für eine gute Idee gehalten.”

“Und wie viele Säcke Reis können wir uns dafür nehmen? Wie viele Katanas hast du mitgebracht? Wie viele Finger Jade haben wir im Kampf gegen die Schattenlande mehr zur Verfügung?” war seine bittere Antwort.

“Ich glaube, ich kann zumindest behilflich sein, die benötigte Nahrung zu bekommen. Respekt zeigt sich nicht immer in materiellen Gütern.” Hogai blickte ein wenig hilfesuchend zu Ukyo und Korin hinüber. Letzterer senkte seinen Blick und blieb weiterhin ungewöhnlich still.

“Hideo hat nicht ganz unrecht.” brachte Ukyo ein. “Wenn wir mehr Nahrung und Ausrüstung bekommen würden, könnten wir unserer Aufgabe besser nachgehen. Ob es eine Frage von Respekt ist oder nicht, will ich nicht beurteilen.”

“Wenn es nicht Respekt ist, der entscheidend ist, dann muss Rokugan auf die harte Tour lernen, was es bedeutet, wenn die Krabben die Kaiu Mauer nicht bemannen. Wenn die Diener der Schattenlande durchbrechen und eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen würden, wären die anderen Klans viel eher bereit, für Nachschub zu sorgen.”

Ukyo runzelte irritiert die Stirn. Hogai war sichtlich schockiert über diese Aussage, war aber zu höflich, näher darauf einzugehen.

Das Gespräch verlief sich danach und die Gruppe bereitete sich auf die Nacht vor. Hogai versuchte, dieses Gespräch aus seinen Gedanken zu verdrängen, Hideo würde schon bald erkennen, dass er im Unrecht war.

Im Verlauf der weiteren Reise versuchte Hogai, Hideo aus dem Weg zu gehen. Nach ein paar Tagen kamen sie im Gebiet der Kraniche an. Hogai war erfreut, seine Heimat wiederzusehen. So sehr er auch die Zeit bei den Krabben genossen hatte, so vermisste er auch die blühenden Gärten der Kraniche im Frühling. Die angenehm warmen Tage im Sommer, wo es aber genügend Bäume und große Sträucher gab, in dessen Schatten man vor der Sonne fliehen konnte. Die Bauern gingen auch hier fleißig ihrem Tagwerk nach, aber ihnen fehlte die Grimmigkeit, die er bei den Krabben kennengelernt hatte.

Daher tat es seiner Seele gut, fast wieder zu Hause zu sein. Von seiner Reise zu den Krabben wusste er noch, dass sie das erste Dorf morgen erreichen würden. Für heute jedoch hatten sie ihr Lager aufgeschlagen. Er suchte Ukyo, um mit ihm über den morgigen Tag zu sprechen. Er musste erst eine Weile suchen, bis er ihn am Rand des Lagers finden konnte. Es sah so aus, als wenn Ukyo nach Spuren suchen würde.

“Hier bist du, Ukyo, ich habe dich schon gesucht. Wollen wir …” weiter kam Hogai nicht. Ukyo blickte zu ihm auf mit einem Blick, der ihm sagte, dass etwas nicht stimmte. “Was ist los?” fragte er ihn.

“Spuren. Ich hatte das Gefühl, den ganzen Tag über verfolgt zu werden. Ich war vor dem Mittag kurz austreten. Da habe ich die ersten Anzeichen gesehen. Eine Gruppe von fünf oder sechs Personen.”

Hogais Hand ging automatisch an den Griff seines Katanas. Er schaute sich um.

“Vielleicht sind es Banditen? Sie sind hier eher selten, aber wer sollte uns sonst verfolgen?”

“Wenn es Banditen sind, dann sehr organisierte. Wir sollten dem nachgehen.”

Beide folgten den Spuren in einen kleinen Wald. Für einen erfahrenen Spurenleser wie Ukyo war es ein leichtes, ihnen weiter zu folgen. Hogai hingegen hatte so seine Probleme zu erkennen, dass da überhaupt etwas war. Sie kamen an eine Lichtung, von der sie Stimmen hörten. Es dämmerte schon, daher konnten sie den Fackelschein gut erkennen.

Der Anblick, der sich ihnen bot, war zuerst bizarr. Eine Gruppe von Menschen in grotesken Masken schien eine Art Ritual durchzuführen. Seltsamerweise sah ihre Kleidung aus, als wären es Krabben. In der Mitte murmelte eine Person Worte, die Hogai nicht verstand. Auch ein Bauer war dort, gefesselt und mit entsetztem Blick.

Ukyo riss plötzlich die Augen entsetzt auf und zischte nur ein Wort: “Maho!” Hogai war sofort alarmiert. Blutmagie? Hier?

Noch bevor sie diesen Schock verarbeiten konnten, riss die Person in der Mitte seine Maske vom Gesicht und schnitt eine kleine Wunde in den Arm des Bauern. Er fing ein wenig des herabfallenden Blutes auf seiner Maske auf und setze sie wieder auf, während der Bauer vor Schmerz und Angst aufschrie.

Beide erkannten den Shugenja in der Mitte sofort und zogen ihre Schwerter: Hideo. Sie schauten sich kurz grimmig an und nickten. Als eine Einheit traten sie auf die Lichtung.

Die ersten Maho-Tsukai, oder Blutmagier, drehten sich zu ihnen um und riefen Hideo eine Warnung zu. Das Ritual war gestört und es konzentrierten sich alle Gesichter auf die beiden kampfbereiten Samurai. Hideo kam auf sie zu und nahm dabei die Maske ab. Sein Gesicht war blutverschmiert und wirkte im Fackelschein auch ohne Maske wie eine dämonische Fratze.

“Hm, was haben wir denn hier. Das ist sehr ungünstig, dass ihr uns hierher gefolgt seid. Ich habe euch ja gesagt, dass eine kleine Katastrophe garantiert mehr bringen wird als eure Diplomatie.”

“Wie kannst du nur deine heilige Aufgabe so misshandeln?” presste Ukyo durch zusammengebissene Zähne hervor. Hideo lachte kurz auf.

“Misshandeln? Euer geliebtes smaragdgrüne Reich hat mich dazu gebracht. Wir hatten keine echte Chance, nie gehabt. Ich musste mich mit Blutmagie auseinandersetzen, um weiter gegen die Schattenlande kämpfen zu können. Unsere Ressourcen sind zu knapp, der Feind überlegen.”

“NIEMALS! Eine wahre Krabbe gibt niemals auf, egal wie widrig die Umstände!” er spie diese Worte förmlich aus. Hideos Antwort war nur ein höhnisches Grinsen. Hogai wusste, dass es darauf nur eine Reaktion gab: er nahm seine Kampfhaltung ein.

Die Gefährten von Hideo griffen auf ein Zeichen ihres Meisters hin an. Sie waren nur mit Messern bewaffnet, aber sie waren zu fünft und waren sich sicher, die beiden Samurai besiegen zu können. Die ersten zwei wurden von Hogai und Ukyo mit gezielten Schlägen ihrer Katanas niedergestreckt. Doch noch während sie diesen Schlag ausführten, waren die anderen Maho-Tuskai bei ihnen und konnten sie mit ihren Messern verletzen. Hogai wurde von einem Messerstich im Bein getroffen. Ukyo erlitt eine Schnittwunde am Arm. Hideo nutzte die Gunst der Stunde und führte das Ritual weiter.

“Hogai, kümmere du dich um diese Schergen, ich muss Hideo daran hindern, das Ritual zu vollenden.” Ukyo wartete nicht auf Hogais Antwort und duckte sich unter dem nächsten Messerstich hinweg und rannte zu Hideo.

Hogai drehte sich schnell um einen der Blutmagier herum und führt einen Schlag mit seinem Katana aus, der einen zweiten mit voller Wucht traf, der Ukyo hinterher gehen wollte. Dadurch war aber auch sein Rücken kurz ungeschützt und nur in letzter Sekunde konnte er sich wegdrehen, damit das Messer ihn nicht tiefer und ernster verletzen konnte.

Die drei Kontrahenten verfielen in eine Wartestellung und umkreisten sich vorsichtig. Hogai konnte einen Augenblick des Zögerns erkennen und griff blitzschnell an. In einer fließenden Bewegung schlug er erst den einen Gegner nieder und nutzte seinen Schwung, um den zweiten mit seinem Katana zu durchbohren.

Währenddessen stürmte Ukyo auf Hideo zu. Dieser ließ seine Schriftrolle, aus der er laut den Zauberspruch vorlas, fallen und zückte sein Wakizashi. Bevor Ukyo ihn erreichen konnte, schnitt er sich mit der Waffe in die Hand und nutzte sein eigenes Blut, um einen neuen Zauber zu wirken. Er deutete mit einem Blut beschmierten Finger auf Ukyo und dieser sackte kurz unter immensen Schmerzen zusammen. Hideo grinste höhnisch und bereitete einen zweiten Zauber vor.

Ukyo war auf ein Knie gesunken und fühlte Schmerzen, wie er sie zuvor noch nie erlebt hatte. Sein Blut schien zu brennen, seine Glieder schrien förmlich auf, seine Muskeln fühlten sich an, als wenn sie zerreißen würden. Doch unter dem Schleier des Schmerzes wuchs seine Entschlossenheit, diese Schande des Krabbenklan auszumerzen.

Bevor der zweite Zauber vollendet werden konnte, überwand Ukyo kurzzeitig den Schmerz und konnte Hideo mit einem Satz mit seinem Katana durchstoßen. Er blickte verdutzt an sich herunter zu der offenen Wunde, aus der sein Blut floß. Dann schaute er zurück zu Ukyo, seine Augen fragend. Aber bevor er ein Wort sagen konnte, dreht Ukyo das Katana in der Wunde und riss es seitlich aus dem Körper wieder heraus. Hideo fiel in sich zusammen, die Korruption hatte ihn schon so sehr angefallen, dass aus seinen Gedärmen Insekten hervorgekrochen kamen und in alle Windrichtungen davon eilten.

Alle Gegner waren besiegt und nachdem Hogai sichergestellt hatte, dass es Ukyo gut ging, sackten beide erschöpft Schulter an Schulter zusammen. Sie hatten die Maho-tsukai besiegt und sie daran gehindert, das Ritual zu vollenden. Noch war die negative Energie zu spüren, aber niemand konnte es vollenden.

Zumindest niemanden, den sie erkennen konnten. Am Rande der Lichtung funkelten zwei Augen im Fackelschein. Namiko war in ihrer wahren Gestalt, anders hätte sie Hideo nicht dazu bringen können, ihren Befehlen zu gehorchen. Die beiden Samurai hatten ihre Pläne durchkreuzt – schon wieder. Doch sie konnte das Ritual auch selber vollenden, sie musste sich dafür nur beeilen. Sie sah ihre Zeit gekommen, die beiden sahen so aus, als wenn sie gerade nicht in der Lage wären, sie rechtzeitig aufzuhalten.

Hogai und Ukyo hatten für einen kurzen Augenblick die Augen geschlossen und atmeten tief durch. Ukyo biss die Zähne aufeinander, die Wirkung der Blutmagie ließ nach, aber noch immer brannten seine Glieder. Namiko konnte sich in diesem Augenblick an die fallen gelassene Schriftrolle schleichen. Die beiden ahnten nicht, wie kurz das Ritual vor seiner Vollendung stand. In einer schnellen Bewegung schnappte sie sich die Schriftrolle und las weiter daraus vor. Ukyo und Hogai rissen erschrocken die Augen auf und standen schnell auf, ihre Schwerter gezückt. Hogai erkannte mit großem Schrecken, wer sich da herangeschlichen hatte. “Du …” war alles, was er zwischen zusammengepressten Zähnen hervorbrachte.

Sie grinste höhnisch, als die beiden Samurai sie angreifen wollten. Das Ritual war vollendet, bevor sie sie erreichen konnten. Sie schnitt dem gefesselten Bauern die Kehle durch. Eine magische Luftwelle drängte die drei auseinander. Schwarze Tentakel aus Rauch formten sich aus dem Boden, wo das Blut des Opfers hingefallen war, und wirbelten um Hideos Leichnam herum. Sein Blut drang aus allen Körperöffnungen aus und bewegte sich zusammen mit dem Blut des Bauern zu den Schatten hin. Dort bildete es einen Wirbel aus Rauch und Blut. Auch das Blut der anderen Gefallenen gesellte sich dazu. Aus dem Wirbel formte sich ein Körper, der jeder Beschreibung widersprach. Ukyo erkannte mit einem eiskalten Knoten im Magen, dass hier ein Oni beschworen wurde. Er berührte Hogais Arm zu seiner rechten und flüsterte “Oni …”.

Der beschworene Oni war menschenähnlich, aber größer. Seine Haut war ledrig und an vielen Stellen mit Dornen versehen. Sein Mund war mit scharfen, gelben Zähnen gefüllt, seine Hände mit Klauen versehen. Ein markerschütternder Schrei drang aus seiner Kehle in die Nacht. Namiko grinste. Sie hatte erstmal nur einen Befehl und zeigte auf die beiden Samurai: “Töte sie!”. Der Oni folgte ihrem Finger und fokussierte sich auf die beiden. Und griff an.

Der Oni bewegte sich zuerst schwerfällig und unsicher, als wenn er sich erst an seine neue Gestalt gewöhnen musste. Ukyo konnte zwei Hiebe mit seinem Katana landen. Schwarzes Blut tropfte auf den Boden und zischte.

Doch der Oni lernte sehr schnell und der dritte Schlag wurde abgewehrt. Seine Klauen waren hart wie Stahl und Funken sprühten, als er mit ihnen das Schwert beiseite lenkte. Hogai konnte die Situation nutzen und sich unbemerkt an dessen Seite positionieren und ebenfalls eine Wunde schlagen.

Doch zu ihrem Entsetzen mussten sie feststellen, dass diese Wunden sich schnell wieder schlossen. Außerdem war der Oni nun Herr seines neuen Körpers und konnte beide Kämpfer in Schach halten. Er bewegte sich schneller als jeder Gegner, dem Hogai jemals gegenüber gestanden hatte. Aber der Oni schien mit ihnen zu spielen, denn statt sie zu verletzen, machte er sie nur müde.

Ukyo wurde sehr schnell klar, dass sie diesen Kampf niemals gewinnen konnten. Sie mussten die anderen warnen und Kämpfer sammeln, um gegen dieses Monster zu bestehen.

“Hogai, Rückzug!” war alles, was er unter Keuchen hervorbrachte.

Hogai verstand, worauf er hinaus wollte und setzte eine Finte an, um den Oni von Ukyo abzulenken. Der Plan ging auf und Ukyo konnte sich mit einer Rolle an Hogais Seite bringen.

“Hör auf, Zeit zu vergeuden und töte sie endlich!” kreischte Namiko. Ihre Worte schienen den Oni auf magische Art und Weise zu geißeln. Dieser wand sich kurz, musste aber dem Befehl seiner Meisterin gehorchen. Er legte den Kopf in den Nacken und schrie wutentbrannt auf.

Hogai und Ukyo nahmen diese Aktion zum Anlass und flohen. Sie wandten sich um und wollten davon rennen, so schnell sie ihre Beine trugen. Doch der Oni war nicht unaufmerksam gewesen, stattdessen hatte er die beiden in einen Hinterhalt gelockt. Mit einem großen Satz sprang er beiden hinterher. Bei seiner Landung riss er beide Klauen in einem Bogen herab und zerfetzte die Rüstung von Ukyo genauso einfach wie seine Haut. Lange, aufgerissene Wunden in seinem Rücken ließen Ukyo aufschreien und er wurde von der Wucht der Hiebe nach vorne geschleudert.

Hogai kam abrupt zum Stehen und wollte sich dem Kampf zu wenden. Aber Ukyo starrte ihn mit einer Intensität an, die Hogai nie zuvor gesehen hatte.

“Flieh, warne die Bevölkerung, sammele Krieger und vollende unseren Kampf!”

Kalte Finger legten sich um sein Herz als Hogai erkannte, dass seinem Freund nicht mehr zu helfen war. Ukyo dreht sich auf seinen Rücken und schrie den Oni an: “War das schon alles, was du kannst?”

Dieser brüllte auf und holte aus. Den ersten Schlag konnte Ukyo noch abwehren, der zweite Hieb traf ihn aber an der Schulter. Er unterdrückte einen Schrei und schlug schwach nach dem Oni, doch dieser Schlag konnte dessen ledrige Haut nicht durchdringen.

Hogai ließ Ukyos Opfer nicht vergeblich sein und floh. Er würde noch oft in seinem Leben nachts von diesem Augenblick träumen und schweißgebadet aufwachen. Namikos Lachen verfolgte ihn, aber der Oni schlug wie ein wild gewordenes Tier immer und immer wieder auf Ukyo ein. Der Samurai aus dem Klan der  Krabben, Hiruma Ukyo, klammerte sich verbissen ans Leben, um Hogai die Flucht zu ermöglichen,  aber schlussendlich musste er für immer seine Augen schließen.